Karl Göckel

   Orgelbaumeister Karl Göckel, geboren 1957, gründete nach der Meisterprüfung 1983 die Firma Karl Göckel Orgelbau in Malsch bei Heidelberg. Seit dieser Zeit wurden über 80 neue Orgeln gebaut und zahlreiche Restaurierungen im In- und Ausland durchgeführt. An der Cavaillé-Coll Mutin-Orgel des Tschalkowsky-Konservatoriums in Moskau führte Karl Göckel im Jahr 1991 eine sehr umfangreiche Expertise mit Progressions- und Mensurdiagrammen sowie Oberton- und Lautstärkeanalysen durch. Sein Sohn Johannes Göckel (* 1989) trat bereits in die Fußstapfen des Vaters.

 

Philosophie

 

Jede Göckel-Orgel trägt die Handschrift von Orgelbaumeister Karl Göckel. Eine seiner Spezialitäten ist der Bau symphonischer Instrumente.

Hier sucht er die Auseinandersetzung mit dem Klangbild – kompromisslos bis zur Vollendung des unverwechselbaren Klanges.

Göckel-Orgeln erfüllen alle Anforderungen der liturgischen Aufgaben im Gottesdienst sowie der ganzen Bandbreite von Kirchen- und Konzertmusik verschiedenster Komponisten und Stilepochen.

 

 

Zielsetzung

Wenn man in die Orgelbaugeschichte schaut, so fallen einem Bestandteile auf, die unerlässlich sind für Orgelbauten, die Generationen überdauern.

 

Das Ziel von Orgelbau-Göckel ist es, eine auf die Verhältnisse des Raumes bezogene bestmögliche Lösung auszuarbeiten,

Hierzu sind von Bedeutung:

  • Die Überlegungen der Orgelkommision, Orgelexperten und der Organisten
  • Unsere Klangvorstellungen, bezogen auf den Raum und seinen Erfordernissen
  • Die Vereinigung von handwerklicher Meisterschaft mit dem Willen zur Konstruktion einfacher wie genialer Lösungen
  • Die Verwendung bester Materialien und gleichbleibend hohe Qualitätsstandards für alle verwendeten Einzelteile
  • Die konsequente Ausrichtung an den Erfordernissen des Raums durch die künstlerisch wertvolle Intonation
  • Diese Eigenschaften stecken uns die Ziele, für die denkbar beste Lösung Ihrer Orgelfrage.

Die Güte aller Bestandteile gibt Auskunft über den Wert der Orgel.

 

 

Konstruktive Eigenschaften einer Göckel-Orgel - Auszüge und Beispiele -

  

Spielanlage

Manualklaviaturen aus feinjährigem, abgelagertem Fichtenholz

  •  Untertasten mit Bein, Obertasten mit Ebenholz belegt
  • Tastenfronten: geprägte Ledertäfelchen

Die Anordnung der Züge ergibt sich aus den Teilwerken der Orgel und erschließt sich logisch schon beim ersten Kontakt mit dem Instrument.

Alle Registerzüge sindbeispielsweise kunstvoll gedrechselt und mit einer Registerbeschriftung versehen. Auf einem goldfarbig ausgelegtem Ebenholzplättchen oder Porzellan-Schildchen  werden der Registername und -wichtig für den Registranten- die entsprechende Registernummer wiedergegeben. Die Registermechanik ist leichtgängig. Mehrere Register können mit einer Hand gleichzeitig gezogen werden, so dass schnelle Umregistrierungen z.B. zwischen Vorspiel und Gemeindebegleitung möglich werden.

 

 

Tontraktur - mechanisch -

Die Tontraktur, also die Verbindung jeder einzelnen Taste mit dem Tonventil ist nach Möglichkeit mechanisch ausgeführt. Dieses seit Jahrhunderten angewandte System zur Öffnung und Schließung der Tonventile lässt dem Organisten die einfachste, wie direkteste Kontrolle seines Spiels zu. Der Anschlag auf der Orgel hat, anders als beim Klavier, seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Über feinste Unterschiede im Öffnen der Ventile kann der Interpret das Instrument zum Leben erwecken. Die in der Literatur vorhandenen verschiedenen Anschlagsarten lassen sich auf unserer Tontraktur in bester Weise umsetzen. Die kompromisslose Qualität der verwendeten Materialien und  die an die Präzision eines Uhrmachers erinnernde Genauigkeit der Regulation dieser feinsten Verbindungen vom Mensch zum Instrument, lassen erahnen, was bei uns Orgelbau in Vollendung meint:

 

Perfekte Symbiose von Mensch und Technik.  

  •   Wellenbretter aus Eichenholz
  •  Alle Wellen sind aus feinem Nadelholz oder Eisen gefertigt
  •  Wellenärmchen aus Weißbuche
  •  Wellenlager aus Weißbuche oder Messing
  • Abstrakten aus feinjährigem Tannenholz
  • Sämtliche Winkel aus Weißbuche in Holzkapseln gelagert.

     

Entscheidend hier ist, dass die verwendeten Materialien verwindungssteif und formbeständig sind. Auch bei "hartem Spiel" verträgt die Orgel einiges.

Ihre Solidität findet Niederschlag in den hier verwendeten Materialien. Der Interpret hat alles "fest im Griff".

 

Die Spielart unserer Instrumente zeichnet sich durch eine leichtgängige und präzise Traktur aus. Griffig genug, vermittelt sie dem Interpreten Sicherheit. Ohne unnötige Schwere vermag sie zur Virtuosität herauszufordern.

 

Das Spiel eines Organisten wird neben dem ihn inspirierenden Klang vor allem durch das "Gefühl" der Traktur beeinflusst. Eine Traktur mit "Kern" lässt Spielfreude aufkommen, für viele Jahre künstlerischer Entfaltung.

 

 

Windladen

Dem Herzstück meisterhaften Orgelbaus, den Windladen, schenken wir besondere Beachtung. Sie entsprechen dem System der Schleiflade. Führt man sich die Tradition des klassischen Orgelbaus vor Augen, so hat sich über Jahrhunderte dieses System besonders bewährt. Berühmte Instrumente eines Arp Schnittger, Gottfried Silbermann oder auch Aristide Cavaillé-Coll haben sich dieses Systems bedient und wir befinden uns daher in guter Gesellschaft. Dass wir uns an dieser so entscheidenden Stelle auf keinerlei Experimente einlassen, liegt auf der Hand, denn wer würde schon Experimenten am Herzen zustimmen?

 

Die Spezifikationen im Einzelnen:

  •  Windladenrahmen aus massiver Eiche, offen gezinkt (handwerkliche Meisterarbeit) 

Eigentlich viel zu schade, diese Handwerkskunst dann den Augen weitestgehend verbergen zu müssen. Aber gut zu wissen, das die Orgel  

ein starkes Herz hat.

  •  Fundamenttafeln und Kanzellenschiede aus Schichtholz
  •  Schleifen aus Hartgewebe oder Eichenholz graphitiert
  •  Schleifendichtungen: „Liegelind-Naturkautschuk“-Ringe an der Stockunterseite und an der Windlade angeleimt in den Schleifenbahnen
  • Pfeifenstöcke aus massiver Eiche mit stehenden Jahrringen, möglichst ohne eingefräste Verführungen
  •  Das Pfeifenwerk steht direkt über den Kanzellen
  •  Pfeifenstühle (Rasterbretter) aus massivem Eichenholz 13 mm dick

Der Kontakt des Eichenholzes mit den hochwertigen Metalllegierungen der Metallpfeifen verläuft naturgemäß nicht ohne Komplikationen. Damit die Gerbsäure des Eichenholzes nicht heraustritt, werden die direkten Auflageflächen mit offener Flamme ausgebrannt. Die entstehende Hitze versengt die Poren des Eichenholzes und verhindert eine weiteren Austritt der Holzinhaltsstoffe. Eine bis heute unübertroffene, perfekte Lösung!

 

  •  Ventile aus feinjähriger Fichte, in den österreichischen Alpen lagsam gewachsen, mit stehenden Jahrringen in strömungsgünstiger Form
  • Ventilführungen aus verzinnten Messingstiften
  • Wir verwenden Trennschiede speziell bei Zungenregistern
  •  Als Abzugsdichtungen kommen Lederpulpeten aus bestem Lammleder oder Edelstahlscheiben mit Hirschleder zur Verwendung

 Die Verbindung von den Blasebälgen zum Windkasten der Windladen geschieht durch massive Holzkanäle.

 

 

Lagerwerk

Alle Teilgehäuse stehen auf einem gemeinsamen Grundrahmen, um überall exakte Abstandsmaße einhalten zu können. Durch selbsttragende Gehäuse reduzieren sich Zusatzkonstruktionen, so dass der ganze technische Aufbau klar und übersichtlich gehalten werden kann.

 

 

Gehäuse

Das Gehäuse einer Orgel ist mehr als bloße Verpackung: Von architektonischen Gesichtspunkten, über künstlerische Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten bis hin zur akusto-physischen Überlegungen, schafft das Gehäuse einer Orgel eine Hülle für das Kulturinstrument schlechthin. Daneben soll es sicheren Schutz gegen Verstaubung bei gleichzeitig maximaler Klangbündelung und Klangmischung bieten.

 

Diese höchst unterschiedlichen Bezüge finden Eingang in die Gestaltung und Umsetzung im Prospekt (die zum Raum hin stehende Gehäuseseite) und dem Gehäuse.

Der Aufbau des Gehäuses, zum Beispiel aus massiver Eiche in Rahmen – und Füllungsbauweise, beruht auf einer in allen Teilen handwerklich fachgerecht ausgebildeten Konstruktion. Alle Bauteile werden durch Zapfen und Zinken oder Gratnuten zusammengehalten, die in der Anwendung den natürlichen Holzeigenschaften (Quellen und Schwinden) entgegenwirken. Durch die Anwendung von Querkranzgesimsen können alle statischen Punktlasten als technisch vorteilhaftere Streckenlasten weitergeleitet werden.

 

Dem gestiegenen Umweltbewusstsein vieler Kunden tragen wir schon seit Jahren dadurch Rechnung, dass wir die Holzoberflächen wahlweise natur belassen und wachsen. Auf diese Weise kann das Holz natürlich altern.

 

Beispiel einer massiven Holzverbindung: Hier Gehäusekranz
Beispiel einer massiven Holzverbindung: Hier Gehäusekranz

 

 

Windanlage

Die Windanlage der Orgel ist die eigentliche Energiezentrale, das Kraftwerk der Orgel. Um ihrem Ruf als Königin der Instrumente gerecht zu werden,benötigt das "Blasinstrument Orgel" kräftige Lungen und ausreichende Kapazitäten, damit ihr nicht die Luft ausgeht. Gerade moderne Spielvariantender Orgelliteratur verlangen häufig Windreserven, die wir in unseren Instrumenten in ausreichender Weise zur Verfügung stellen.

 

Als Windmaschine kommt nach Möglichkeit ein Schleudergebläse in Form eines Langsamläufers mit ausreichender Windleistung  zum Einsatz

Es kommen leistungsfähige Schwimmerbälge zum Einsatz. Die Bälge selbst werden aus hochwertigem Holz und Schafsleder zugeschnitten, gespannt

und nach Präparation der Falten und beweglichen Teile durch spezielle Imprägnate montiert. Auf diese Weise werden jahrzehntelanger Gebrauch

gesichert. Windkanäle bestehen aus 20 mm starkem Massivholz in strömungsgünstiger Form.

 

 

Mensuration

Die Mensuren (Maße) des Pfeifenwerkes werden in Hinsicht auf die räumlichen Verhältnisse speziell konstruiert.

 Hinter diesem Punkt verbirgt sich ein für den Klang jeder Orgel höchst entscheidender Faktor: Die Abmessungen jeder einzelnen Pfeife. Ein bestimmtes Register einer Pfeifenfamilie klingt nicht in jedem Raum gleich gut. Vielmehr erfordert es jahrelange Erfahrung und Fingerspitzengefühl um die idealen Abmessungen der Pfeifen auf den Raum hin speziell konstruieren zu können.

W können Ihnen heute eine Mensuration anbieten, die jeden Vergleich mit Meisterinstrumenten aus der Orgelbaugeschichte standhält. Dabei stehen uns eine Vielzahl von Parametern zur Verfügung, um diese Maße auszuwählen. In der Regel fertigen wir Probetöne an oder messen die spezifischen Nachhallzeiten bezogen auf das Frequenzband Ihres Raumes aus. Auch wenn diese Maßnahmen für den Kunden weitgehend unbeobachtbar und konstruktiv-konzeptuell auf Werkstattebene stattfinden, sind sie jedoch für uns unabdingbar für die Erstellung der bestmöglichen Klangkonzeption einer Orgel. An dieser Stelle zeigt sich einmal mehr, dass es sich bei einem Instrument aus unserer Werkstätte um ein Einzelstück handelt.

  

 

Intonation

Die innere Vorstellung vom Klang einer Orgel

Die Intonation gehört zu den wichtigsten Gebieten im Orgelbau, Beim Intonieren werden alle vorhergehenden handwerklichen Arbeiten und das Zusammenspiel der technischen Komponenten auf den Prüfstand gestellt. Bei Orgelbau Göckel intonieren ausschließlich Karl Göckel und Johannes Göckel, die Firmeninhaber. Schon beim Betreten des Raumes für den eine Orgel gebaut werden soll, muß Karl Göckel eine bestimmte Vorstellung des Klangbildes entwickeln. Seine Aufgabe ist es, das innere Klangbild nach außen zu übertragen und für ein gewissenhaftes Bearbeiten der Pfeifen zu sorgen. Dieser Anspruch geht weit über das normale Handwerk hinaus; es ist eine regelrechte Kunst, eine Orgel bestmöglich zu intonieren.

         

 

Zungenpfeifen

Die sogenannten Lingualpfeifen, also die Zungenpfeifen stehen für charakteristische Einzelstimmen wie für kräftige Ensemble-Stimmen. Ihre Namen wie Fagott, Oboe oder Trompete, Bombarde stehen für die Vielfältigkeit ihrer Verwendungsmöglichkeiten.

 

Für die hochdifferenzierten Anforderungen an diese Stimmen steht uns ein eigener Werkzeugbau zur Verfügung. Gelungene Zungenstimmen aus unserer Produktion sind an vielen unserer Instrumente anzutreffen. Eine Trompette-harmonique oder Tuba magna gehören damit, neben vielen anderen Bauformen der Lingualen, zu den Registern, auf die wir zu Recht stolz sind.

 

 

Ergebnisse

Orgelbau in Vollendung ist ein dynamischer Prozess, bei dem eine Vielzahl von Faktoren die Qualität des Instrumentes entscheidend beeinflussen.

 

Es reicht bei weitem nicht aus einfach eine Orgel zu bauen. Wir sehen uns im Spannungsfeld von Tradition und Innovation, um die beste Lösung Ihrer

Orgelfrage zu schaffen.

 

Ein fein eingespieltes Team erfahrener Spezialisten, der als Intonateur selbst Hand anlegende Chef und die kompromisslose Qualität von Arbeit und

Material, geben dem Unternehmen die sympathische Note für Orgelbau mit Herz und Verstand. Ein idealer Partner für Ihren Auftrag zum Bau der

Königin der Instrumente.

 

 

 

 

Firma

 

Mit zahlreichen Erfindungen setzte Karl Göckel im Orgelbau neue Akzente, z.B. durch die Weiterentwicklung der Barkermaschine, die mit einer Rückstellhilfe ausgestattet wurde. Seit 1983 bauen und restaurieren das Team von Orgelbau Göckel mit höchster Präzision klassische und symphonische Orgeln. Handwerkliche Kunstfertigkeit, Einsatz von CAD- und CNC- Technik und Verwendung hochwertiger Materialien bilden eine ideale Symbiose für die erfolgreiche Planung und Realisierung einer Göckel-Orgel. Eigener Zungenpfeifenbau, Beratung, Service und zahlreiche neue Entwicklungen prägen Orgelbau Göckel.


Pierre Cogen

Organist (während einer CD-Aufnahme in der Heilig-Geist-Kirche Mannheim):
“Die sorgfältig intonierte Orgel der Mannheimer Heilig-Geist-Kirche mit ihrem kraft- und glanzvollen Klang zählt zu den gelungensten Instrumenten des deutschen Orgelbaus der letzten Jahre. Sie eignet sich in hohem Maße für die Darstellung französischer Orgelmusik dieses Jahrhunderts”.

 

Innovation

Barkermaschine mit automatischer Rückstellvorrichtung

Im Inneren des Barkersystem (1) herrscht ein Überdruck (Abstromprinzip). Durch Betätigung der Taste am Spieltisch bewegt sich der Hebel (2) bei eingeschalteter Barkermaschine nach unten, Schwanzventil (3) öffnet, Scheibenventil (4) schließt, und der im Barkerbalg herrschende Überdruck strömt nach außen (Abstromimpuls). Somit wirkt die Windkraft des Systems (1) auf die bewegliche Balgplatte des Barkerbalges, welcher in sich zusammenfällt und dabei an der Abstrakte (5) zieht. (Pfeife erklingt). Beim Loslassen der Taste bewegt sich der Barkerbalg in umgekehrter Reihenfolge wieder nach oben. (Pfeife erstummt). Während der Aufwärtsbewegung greift ein Nocken (6) in eine Steuernase (7), welche mechanisch mit der Taste verbunden ist und bringt die komplette Spielmechanik einschließlich entsprechende Taste in Ruhestellung zurück. Die Steuerung des Nockens (6) übernimmt eine mit der Barkerbalgplatte verbundene Kipphebelmechanik (8).

Schnittzeichnung der Barkermaschine mit automatischer Rückstellvorrichtung (Patent Nr. DE 4014204 C1)


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